karibische-anolis.de
GregorWeidlich@netscape.net

Geschichte

In diesem Artikel geht es um die Besiedlungsgeschichte der Kleinen Antillen.

Die ersten Bewohner der Kleinen Antillen waren die Siboney-Indios, die 3500 v. Chr.  mit ihren Kanus aus Venezuela übersetzten und dort siedelten. Im 1. Jh. n. Chr. kamen ebenfalls aus Venezuela Indios vom Stamm der Arawak auf die Inseln und brachten eine höher entwickelte Kultur, sowie Ackerbau mit. Im 8. Jh. verdrängten kriegerische Indios aus dem Amazonasgebiet vom Stamm der Kariben die Arawak von den Kleinen Antillen. Später besiedelten die Arawak aber erneut Teile der Karibischen Inseln.

Mitglieder vom Stamm der Kariben. Kolumbus nannte die Ureinwohner der Karibik Indianer, in dem Glauben, einen Seeweg nach Indien entdeckt zu haben und sich vor dessen Küste zu befinden.

Am 14. Okt. 1492 landet Christoph Kolumbus auf der Bahama-Insel Guanahani und entdeckt als erster Europäer die Neue Welt. Die Kleinen Antillen bereiste er auf seiner zweiten Fahrt 1493, bei der er als Erstes Dominica entdeckte und dann auf Guadeloupe, Montserrat,  Antigua und Nevis landete, um diese für das spanische Königreich in Besitz zu nehmen. Bald wurden auf vielen Inseln erste Kolonien gegründet.

 

Die zunächst freundlich gesinnten Indios wurden von den ersten Siedlern schlecht behandelt, versklavt und stellten sich bald gegen diese. Bis 1542 das „Leyes Nuevas“ erlassen wurde, welches die Indiosklaverei generell verbot, waren die Indios auf vielen Inseln bereits ausgerottet. Die Inseln waren zwar arm an Bodenschätzen, hatten dafür aber fruchtbares Land. Schon bald fand sich ein gewinnträchtiges Anbauprodukt: Zuckerrohr. Da der Anbau aber arbeitsintensiv und die Indio-Sklaverei verboten war, wurden in der Folgezeit immer mehr afrikanische Sklaven auf die Inseln gebracht, um auf den Zuckerrohrplantagen zu arbeiten. So entstand der Dreieckshandel zwischen Europa, Westafrika und der Karibik: Europäische Manufakturwaren wurden in Afrika gegen Sklaven getauscht, die dann in der Karibik verkauft wurden. Vom Erlös wurden Zuckerprodukte, Tabak und Gewürze für Europa gekauft.


Dreieckshandel zwischen Afrika, den neuweltlichen Kolonien und Europa

Das 16. Und 17. Jh. war auch das Zeitalter der Piraterie und der Herrschaftsstreitigkeiten. Ab 1577 machten britische Seeräuber im Auftrag der englischen Queen Elizabeth I. die bis dahin unter spanischer Vorherrschaft stehende Karibik unsicher. Francis Drake und Walter Raleigh werden wegen ihrer Erfolge um die Zerstörung der spanischen Armada und der Beendung der spanischen Vorherrschaft in den Adelsstand erhoben. Berühmt wurde auch der im Jamaikanischen Raum tätige walisische Freibeuter Henry Morgan, auf den der Piratencodex zurückgeführt wird. Das entstandene Machtvakuum nutzten andere Kolonialmächte, um sich in der Karibik zu engagieren. Die Briten besetzten St. Kitts, Nevis und Barbados, sowie Antigua. Die Niederländer eroberten Curacao die Franzosen besetzen Guadeloupe und Martinique, sowie später Grenada, St. Lucia und St. Vincent. Viele Inseln wechselten mehrfach den Besitzer. Insbesondere Frankreich und Britannien standen im ständigen Krieg um die Inseln.

Im 19. Jh. wurde mit der Entdeckung des Rübenzuckers die Zuckerproduktion aus Zuckerrohr unrentabel. Später erlassen die europäischen Staaten Gesetze zur Abschaffung der Sklaverei in ihren Kolonien. Zuerst die Briten (1833), dann die Franzosen (1848). Es folgen die Niederlande (1863) und zuletzt Spanien (1886). Einen Namen machte sich zu dieser Zeit der französische Kolonialverwalter Victor Hugues. Er gewann Guadeloupe für Frankreich zurück und setzte die Sklavenbefreiung durch. Als Plantagenarbeiter wurden in der Folgezeit vorrangig Inder, Chinesen und Indonesier angeworben, welche sich verpflichteten, 5 Jahre lang zu arbeiten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann ein Prozess der politischen Umorganisation, der etlichen Kolonien die Unabhängigkeit brachte: Die meisten einst britischen Inseln sind heute eigenständige Staaten oder Teile eines Staatenverbunds. Die Niederländischen und die Französischen Antillen wurden dagegen zu überseeischen Provinzen ihrer Mutterländer, sind also völkerrechtlich Teile Europas.

Die heutige Bevölkerung besteht zum großen Teil aus Nachfahren der afrikanischen Sklaven. Nachfahren der ehemaligen Kolonialherren stellen bevölkerungsmäßig zusammen mit den indischen, chinesischen und indonesischen Einwanderern eine Minderheit dar. Jede Insel hat dabei ihre eigene Bevölkerungsstruktur und ihre eigene Geschichte. Einige Inseln sind dicht besiedelt worden (z.B. Barbados mit über 600 EW/km²), andere blieben bis zum heutigen Tage aufgrund ihrer Geologie und zum Teil auch wegen indigenem Widerstand wild und wenig besiedelt (z.B. Dominica mit weniger als 100 EW/km²). Und obwohl die einzelnen Inseln nicht mehr als etwa 50 km auseinanderliegen, so hat jede ihren eigenen Charakter, jede ist anders als ihre Nachbarin und hat ihre ganz eigenen Besonderheiten.


Übersichtstabelle über die größten Inseln der Kleinen Antillen